Das Berufsbildungswerk (BBW)

Das Berufsbildungswerk ist eine Ausbildungsstätte für Menschen, die einer “normalen” Ausbildung nicht gewachsen sind, weil sie aus gesundheitlichen und zum Teil auch geistigen Gründen eben langsamer sind und somit in der regulären Berufsausbilung sprichwörtlich sitzen bleiben würden. Die verschiedenen Berufsbilder die in einem BBW erlernt werden können, sind in den meisten Fällen handwerkliche Berufe. Das BBW München bietet insgesamt 16 Handwerksberufe an, die vom Schlosser, Schreiner bis hin zum Schneider und technischer Zeichner reichen. Da die Produkte (z.B. für Krankenhäuser, Textilindustrie, Druckindustrie) die zum Teil nur in geringen Stückzahlen hergestellt werden, nicht die gesamten Ausgaben an Lehrmittel, Personal und dergleichen decken können, ist das BBW auf öffentliche Gelder angewiesen, teils durch den Steuerzahler und teils durch Spenden..Durch die berufliche Reha zahlt das Arbeitsamt die komplette Ausblidung und Wohnheim, wenn der Auszubildende von Auswärts kommt. So gesehen, verdient der Auszubildende nichts, da sein “Lohn” in die Leistungen des Arbeitsamtes mit einfliesst.


Industriemechaniker, Fachrichtung Geräte- und Feinwerktechnik

In den ersten 2 Jahren lernt der Azubi mit den verschiedenen Werkzeugen und Messgeräten zu arbeiten. Angefangen mit einem U- Stahl, der auf Mass und Winkligkeit gefeilt wird, bis hin zum Bohren, Gewindeschneiden von Hand, Reiben (fertigen von hochgenauen Bohrungen) von Hand und Fräsen auf einer konventionellen Universalfräsmaschine. In der 2. Hälfte des 2. Lehrjahres beginnt die Schulung an der CNC-Fräs- und Dreh- maschine (CNC = Computer Numeric Control = Computerunterstütze Maschine).

 

Im Laufe der Ausbildung und des Ausbildungsstandes fertigt der Azubi Einzelteile die später, im 3. Lehrjahr zu einer Dampfmaschine zusammengebaut werden, die nach erfolgreichem Abschluss der Lehrzeit sein Eigentum ist. In den Wohnheimen, wo die Auszubildenden wohnen, werden auch freizeitliche Aktivitäten angeboten wie zb   Tanzen, Selbstverteidigung, Kegeln, Schwimmen  Schlittschuhlaufen und vieles mehr....  Aufgaben innerhalb des Wohnheims, werden durch freiwillige Gehörlose die ihr Taschengeld etwas aufbessern wollen, verrichtet. Selbst eine eigene Disco haben die beiden Wohnheime in München. Nun fragt sich der Leser...wieso eine Disco. Durch die starken Bässe, die Vibrationen im Körper auslösen (meist Brust und Bauchbereich). “hören” die Gehörlosen die Musik - auch durch die Lichtorgel, erkennt der Gehörlose den Rhythmus und den Stil der Musik. Somit muss auch ein Gehörloser nicht ganz auf Musik verzichten.

 


Die Gesellenfeiern werden, gemäss einer “normalen” Ausbildung ebenso abgehalten und ist jedes Jahr “die etwas besondere Feier” für jeden einzelnen. Zum “Abschied” aus dem Wohnheim / BBW gibt es ein besonderes Präsent, das auch mit Erinnerungen an die Lehrzeit verknüpft ist. Bei mehr Interesse:  
BBW München

 

Die Werkzeugausgabe

Die Werkzeugausgabe ist das Zwischenglied in der maschinellen Fertigung zwischen Qualitätssicherung (Mess- und Prüfstand für die Einzelteile aus der Produktion) und Maschine. Die benötigten Werkzeuge für einen Auftrag werden in der Werkzeugausgabe je nach Maschinentyp (Spindelseitige Aufnahme) montiert, eingestellt und schliesslich als kompletter Werkzeugsatz auf dem Werkzeugvoreinstellgerät vermessen. Die gemessenen Daten werden dann direkt zur Maschine, auf der der Auftrag gefertigt werden soll, geschickt. Somit erspart sich der Maschinenbediener viel Tipparbeit und kann die Daten dann als Programm an der Maschine einlesen.

Die Werkzeuge an sich sind in dem Betrieb in dem ich arbeite, zu 70% speziell angefertigte Sonderwerkzeuge die für spezielle Fertigungsprozesse notwendig sind und um auch Magazinplätze in der Maschine zu sparen. Bei einigen Sonderwerkzeugen handelt es sich um sogenannte Bohrstangen, in denen Hartmetallwendeschneidplatten eingesetzt werden. Diese Bohrstangen fertigen bis zu 6 verschiedene Bohrungsdurchmesser und Kantenbrüche (Fasen) in einem Arbeitsgang. Passend hierzu gibt es die Feindrehbohrstangen die die entsprechenden Durchmesser auf ein hundertstel Millimeter genau fertigen.
Um Kernlöcher für die Gewinde zu fertigen, verwenden wir Kompaktwerkzeuge, die die Bohrung und die Schutzfase in einem fertigen. Diese Kompaktwerkzeuge sind somit auch sehr flexibel einsetzbar und haben hohe Standzeiten (Standzeit ist die Zeit, in der das Werkzeug im Einsatz ist, bis es Stumpf ist und neu geschliffen wird für den nächsten Einsatz).
Nicht nur in der Drehtechnik hat sich Keramik durchgesetzt, mittlerweile werden gerade in der Schruppbearbeitung auf Fräsmaschinen Keramikwendeschneidplatten eingesetzt, die 8 Schneiden an einer Wendeplatte haben. Im Vergleich zu einem Schruppfräser mit Hartmetallwendeschneidplatten kann ein mit Keramikwendeschneidplatten bestückter Fräser bis zu 4 mal schneller arbeiten und die Standzeit erhöht sich um fast das doppelte. Für das “Finish”, also die Schlichtbearbeitung an vorgefrästen Flächen kommen Messerköpfe mit verstellbaren Kassetten und Sonderwendeschneidplatten zum Einsatz. Diese Messerköpfe werden auf einer Granitplatte mit einem Mikrometer (Messuhr mit einer Skala von einem tausendstel Millimeter) mit einer Toleranz von maximal 3 tausendstel Millimeter eingestellt. Anschliessend wird das Werkzeug montiert und mit einem Computerunterstützten Werkzeugvoreinstellgerät vermessen. Am Computer werden die Daten des Werkzeugs (Länge, Durchmesser und Anzahl der Schneiden am Messerkopf) eingegeben und der Messvorgang läuft dann automatisch ab.
Da die Anforderungen an die Maschinen immer höher werden, werden somit auch die Anforderungen an die Werkzeuge grösser. Der Maschinenhersteller gibt vor, wie die Werkzeuge zu verwenden sind, d.h. die Werkzeuge dürfen nur noch gewuchtet eingesetzt werden. Für das Wuchten werden die Werkzeuge demontiert und von der Grundaufnahme (z.B. SK50, HSK80) an mit einer Wuchtgüte von g6.3 gewuchtet (im Vergleich: PKW-Reifen haben eine Wuchtgüte von g40). Je nach Verwendung des Werkzeugs muss genau oder sehr genau gewuchtet werden. Hierfür gibt es 3 Möglichkeiten: Masse abnehmen durch Bohren oder Fräsen, aber auch Wuchtausgleich durch Wuchtringe, die gegenseitig verdreht werden. Das Wuchten wirkt sich schlussendlich nicht nur auf die Haltbarkeit der Werkzeugspindel in der Maschine aus, sondern auch in der Standzeit, da die Werkzeuge nach dem Wuchten viel ruhiger laufen. Man denke nur an die Bremsplatten und Verformungen der Felge an einem PKW-Reifen, wie sie sich bei hohen Geschwindigkeiten auswirken.