"Crazy Horse" - ein Pferd erzählt seine Geschichte

Ursprünglich komme ich aus Ungarn und kam über Umwege schliesslich nach Deutschland. In meinem Heimatland, Moving Coloursda werden meine Artgenossen als Vielseitigkeitspferd gezüchtet und ausgebildet. In dem Gestüt wo ich ausgebildet wurde, hab ich auch ein Fohlen auf die Welt gebracht.

Der Umgang mit Pferden in meinem Heimatland ist manchmal recht rauh, doch hier war es schlimmer für mich. Ich wusste nicht was diese Leute von mir wollten und hatte wiederstandslos zu gehorchen bei dem Gebrüll. Dort, bei verschiedenen Händlern, kamen immer wieder neue Pferde dazu oder gingen auch wieder weg. Jeden Tag waren da andere Menschen hier, um mich und die anderen Pferde anzuschauen.

Ab und zu kam ich in einen anderen Stall. Die Leute nennen das Reitschule, wo ich jeden Tag einen anderen Menschen durch die Halle tragen musste, immer im Kreis. Mir war da sehr langweilig, weil ich auch nie einen Artgenossen näher kennenlernen durfte mit dem ich ein paar "Worte" hätte tauschen können...

Da ist es kein Wunder dass mir oft der Kragen platzte und ich mich deutlich gewehrt hatte. Besenstiele, Mistgabeln und solche Sachen musste ich ertragen wenn ich nicht so wollte wie die Leute es gerne hätten. Eines Tages, da kam eine sehr nette Frau, die mich aus diesem Schlamassel holte. In deren Stall angekommen, war alles ganz anders wie ich es kannte. Kein Schlagen, kein Gebrüll von ungeduldigen Menschen. Trotzdem hatte ich viel Angst.

Die Angst wurde von Tag zu Tag weniger. Ich bekam fast jeden Tag trockenes Brot, Obst und viel Heu und mal Streicheleinheiten, die mir Anfangs nicht so behagten. Das Putzen gefiel mir nicht so recht, weil es mich an die früheren Zeiten erinnerte. Spazierengehen, ja, das war sehr interessant. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, was da im Gelände alles umherlief und so blieb ich alle paar Meter stehen um diesen Anblick zu geniessen. Die Frau hat es sehr gut gemeint mit mir, aber sie verstand meine Faszination von der Landschaft nicht.

Eines Tages bekam ich eine lange Leine, wozu auch immer das gut sein sollte. Um die Frau herum laufen? Nicht schon wieder im Kreis laufen, ich mochte das nicht mehr. Weil das nicht so ging wie es sich die Frau vorgestellt hatte, kam dann ein Mann in den Stall.

Die Frau und der Mann haben was von Reiten geredet und mir einen Sattel auf den Rücken gelegt. Hier in dem Stall gabs nicht so ein Platz, wo man immer im Kreis laufen musste, deshalb haben die Zwei mich hinaus ins Gelände mitgenommen. Ich war sehr aufgeregt, schon wieder ein Fremder der mit mir was anstellen wollte. Dieser Mann war dann immer öfters da und hat mit mir was gemacht. Manchmal flog mir die Leine um die Ohren, manchmal hat der mit mir geredet, sehr leise. Das war mir neu aber doch sehr angenehm.

Der Sattel hatte dem Mann wohl nicht so gefallen weil er immer ohne Sattel mit mir geritten ist. Er hat meinen Kopf immer nach unten gezogen, dabei wollt ich nur die Landschaft anschauen, sie ist doch so schön... Irgendwann hab ich nachgegeben mit dem Kopf-nach-unten-ziehen - aber nur weil er mich mit Brot bestochen hatte. Als ich mich da so richtig eingelebt hatte, kam eines Tages dieser Mann mit einem Pferdehänger in meinen Stall. Ich hatte mich mit allen vier Hufen gewehrt und trotzdem hatten die es geschafft mich da reinzubringen. Wieder zurück in einen dieser lauten Ställe?? Nach einer kurzen Fahrt kam ich in dem neuen Stall an, wo ich in eine Box gesperrt wurde. Diese Box hatte nicht so enge Gitter und ich durfte Tags über mit anderen Pferden auf die Koppel. Dieser Mann kam dann jeden Tag zu mir. Er hat mich immer an der Box angebunden und ich konnte nicht zu den anderen Pferden zurück. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich begriff, warum ich an der Box stehen bleiben musste. Heute stehe ich sehr gerne da und kann es nicht erwarten, geputzt zu werden. Oft ging er mit mir spazieren im Gelände oder führte mich nur im Stall herum, damit ich mir das alles ganz genau anschauen konnte.

Inzwischen hab ich diesen Mann sehr liebgewonnen und freue mich jedesmal riesig wenn er mich besuchen kommt. Im Sommer ist es immer eine Wonne, wenn er mich krault und am Rücken kratzt. Bei der Arbeit ist er nur selten ungeduldig. Wenn ich was richtig gemacht habe, dann bekomm ich ein grosses Lob. So einen Menschen wie diesen wünsche ich jedem meiner Artgenossen: Er schreit mich nicht an, schlägt mich nicht mit Besenstielen oder anderen Dingen. Er versucht, meine Sprache zu sprechen damit ich ihn besser verstehe was er von mir möchte.

 

 

 

 

 

 

Ihr Leser und Menschen da draussen, ihr habt die Gabe zu denken !

Bevor ihr uns Pferde misshandelt, denkt bitte erst nach, wenn wir euch nicht gleich verstehen !

 

 

 

Hier ein paar Fotos von mir, dass sich der Leser mal ein Bild von mir machen kann.

eine kalte Dusche an heissen Tagen

 

das tu ich am liebsten *g

 

ja, seht genau her, das ist lecker *g

 

die Angst steht mir noch ins Gesicht geschrieben...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Name "Crazy Horse" ist von dem gleichnamigen Lakota-Häuptling. Die Übersetzung der indianischen Namen vom Lakota ins englische bzw. deutsche entspricht nicht der ursprünglichen Bedeutung der Namen.

"Crazy Horse" kann man so übersetzen:

 "Auch sein Pferd ist verrückt nach ihm"